Politiker – das ist abenteuerlich

Howdy und Moins,

meinen Sie nicht auch, dass das mit unseren Politikern, auch Politikerinnen, heute schon abenteuerlich ist. Die sehen alle gleichgestriegelt aus und die Reden nur noch große Seifenblasen. Man weiß am Ende gar nicht mehr was Sie am Anfang gesagt haben, aber vor allem, wofür Sie eigentlich stehen. Eine Weile dachte ich, die können sich Dich auf Dauer so gar nicht wohlfühlen, aber da habe ich mich furchtbar getäuscht.

Verstehen Sie mich nicht falsch – aber ich fühle mich schon nicht wohl, wenn meine Frau, die Iris, na Sie wissen schon, am Samstagfrüh zu mir sagt „Norman, ziehe bitte Deinen schwarzen Anzug an, das weiße Hemd und die rote Krawatte. Wir gehen heute noch zum Geburtstagskuchen von Tante Wilhelmina!“ Diese Momente hasse ich wirklich in meinem Leben. Wenn ich diese Klamotten anhabe, das bin ich dann nicht mehr. Und die ganze Zeit muss ich dann bei dem Kaffeekränzchen lächeln und so tun, als würden mich die Gespräche begeistern. 🙁

So scheinen sich auch unsere Politiker, auch Politikerinnen, zu fühlen, doch anders als bei denen, gibt es den Moment, wo ich mir ganz aus Versehen Kaffee oder Kuchen über das Hemd schütte und dann aufstehe und sage, das ich aber jetzt schnell nach Hause muss. Iris schaut dann immer ganz böse und schimpft noch mal vor allen Verwandten auf den ungeschickten Mann. Aber wissen was komisch ist? Wenn wir im Auto sind, lächelt sie mich an und sagt „Danke, und das mit dem Hemd kriege ich schon hin!“ Auch wenn ich es nicht verstehe, aber mir geht es dann wieder gut.

Bei den Politikern, auch Politikerinnen, ist das wohl anders. Denn Sie wollen heute ja niemanden „weh tun“, sagen ihnen Ihre Einflüsterer, die PR-Berater. Sie dürfen sich mit keiner Aussage auf etwas festlegen, dass könnte ja Wählerstimmen kosten, sagen ihnen Ihre Wahlkampfmanager. Nur keine klare Position in den Medien, die Journalisten könnten ja beweisen, das man falsch liegt, sagen ihnen Ihr Medienberater. Ich glaube wenn man sich dann täglich so verhält, dann ist man kein Mensch mehr, sondern noch ein beratergetriebenes Wesen, mit einem Rückgrat wie ein Gartenschlauch. Ein Bild mit der Fußballnationalmannschaft in der Kabine, muss es sein. Ein Band bei einer Straßeneröffnung durchschneiden, soll es sein. Ein Späßchen in einer der vielen Talkshows, darf es sein, aber nie direkt auf eine Frage antworten, sondern immer ablenken, das muss sein! Genau wie den Einladungen der Lobbyisten folgen. Das ist wichtig! Genau wie die regelmäßigen Diatenerhöhungen und möglichst wenig Transparenz bei Nebeneinkünften.

Und dann kommen Wahlen und man sieht die Wahlplakate und möchte eigentlich verzweifeln. Wenn was drauf steht, dann ungefähr so „Meier für Deutschland nach Brüssel“, aha. Ist das eine Reiseewerbung? Oder „Mehr für alle“, ach so und was? Manchmal haben ja die unterschiedlichsten Parteien sogar den selben sinngemäßen Spruch auf Ihren Plakaten. Warum soll ich mich dann noch entscheiden? Oder es wird gleich gar nichts mehr geschrieben, sondern man bildet nur noch diese berühmte „Raute“ ab. Toll, wofür steht diese? Und dann sieht man die Wahlkampfmanager, im Fernsehen oder in der Zeitung, die langatmig erklären wofür ein Plakat oder ein Satz steht. Mal ganz ehrlich, wenn es schon erklärt werden muss, weil es der Wähler, also der Bürger, auch die Bürgerin (Iris besteht darauf, sie sagt das ist jetzt modern) nicht versteht, was soll dann der Mist? Dann stelle ich mir noch folgendes vor:

Ich bin in Deutschland und auf dem Stadtfest treffe ich meinen Bürgermeister oder auch Bürgermeisterin und den Bundestagsabgeordneten,… jetzt ist aber gut Iris. Es sind fünfunddreißig Grad, strahlender Sonnenschein, nachmittags 14.00Uhr. Der Bürgermeister nippt an einem Glas Wasser und steht da in seinem Anzug mit Hemd und Krawatte. Ich frage ihn: „Moin, sag mal, mit der Straße und den vielen Löchern darin. Wann soll da was gemacht werden?“ Die Antwort die ich dann erhalte lautet ungefähr wie folgt: „Bürger, Du hast recht. Ja die Straße braucht  eine energetische Sanierung, genau wie der Kindergarten, die Schule, aber vor allem das Rathaus. Das macht es spannend, weil wir unsere Haushaltslage noch konsolidieren müssen. Der Nominalzins ist im Moment eher suboptimal. Dies macht vor allem die Finanzierung der Stadtreinigung etwas schwierig, die wir laut Gemeindeerledigungsverordnung voran stellen müssen. Vor dem Hintergrund der Schuldenbremse, müssen wir da noch mal mächtig Gas geben. Aber ich finde es klasse, das Du dich so für unsere Stadt einsetzt, denn das ist mir eine Herzenangelegenheit. Die Stadt und das Ihre Einwohner und Einwohnerinnen, sich da engagieren. Deswegen habe ich durchgesetzt, das wir noch in den nächsten zwei Jahren die Ortseingangsschilder erneuern. Dann sind Wahlen und ich würde mich danach weiter einsetzen für Eure Straße und für viele weitere Dinge.“ Hääää?

Manchmal bin ich ja froh, hier heute auf meiner Terrasse zu sitzen, aber eins weiß ich bestimmt. Politiker sind keine Menschen mehr. Denn Menschen machen Fehler. Sie haben Ziele und Träume, sie stehen für Ihre Überzeugungen und sagen dies auch. Menschen leben in Partnerschaften oder beenden diese auch mal. Politiker in Deutschland, dass ist einfach abenteuerlich. In dieer Form sollte es dringlich beendet werden. Schickt die PR-Berater zum Gurckenernten. Sendet die Medienberater auf die Autobahnbaustellen. Setzt die Wahlkampfmanager vor einen Bildschirm und zeigt Ihnen eine Woche lang nur ihre eigenen Sprüche.  Schickt die Lobbyisten in Altersheime und Krankenhäuser zum betreuen von Menschen, oder lieber doch woanders hin. Wir würden vieles sparen, siehe auch: Wir brauchen nicht so viele Politiker

Lasst aber Politik wieder von Menschen für Menschen machen. Menschen mit Fehlern, Menschen die klare Aussagen treffen, auch wenn die nicht jedem gefallen. Menschen die die Gesellschaft gestalten wollen und nicht nur Ihr Bankkonto. Das ist das reale Leben, dass wäre wahre Interessenvertretung.
Dann steigt auch die Wahlbeteiligung, weil Politiker, natürlich auch Politikerinnen wieder interessant sind und man weiß, warum man jemanden wählt oder eben auch nicht. Wir brauchen Typen und nicht Schablonen, die unsere Interessen vertreten!

Ihr Norman Muller

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