Regelt den Anstand

Howdy und Moins,

Deutschland regelt sich zu Tode! Den Eindruck bekommt man fast täglich bei uns. Da wird das Rauchen bis zur letzten Örtlichkeit reglementiert, da müssen die obersten Gerichte über das Tragen von Fahrradhelmen entscheiden. Bis auf den letzten Zentimeter sind Grundstücke und Ihre Nutzung definiert und es reicht immer noch nicht. Welche Farbe dürfen Häuser haben, welcher Geruch darf in einem Supermarkt herrschen, wieviel Werbung darf im Fernsehen gezeigt werden. Mit Hilfe der EU werden noch wundersamere Verordnungen geschaffen, z.B. zu Duschköpfen und vieles mehr. Scheinbar sind wir in Deutschland, aber auch Europa keine mündigen Bürger, sondern müssen von der Politik und den Gerichten vor uns selbst beschützt werden.

Verstehen Sie mich nicht falsch – meine Frau regelt auch zu Hause alles, denn Sie sagt immer : „Norman, Ordnung ist das halbe Leben!“ So fühle ich mich dann auch, neben Geschirrspüler ein- und ausräumen, Mülleimer herausbringen und zwischen drei Mülltonnen (gelb, grün, schwarz) entscheiden u.v.m., scheint mir oft, das mein halbes Leben weg ist ;-). Das ist wirklich ein Abenteuer für mich.

Aber vom Grundgedanken her bin ich ein liberaler Mensch und sage mir oft genug, so viele Regelungen wie es in Deutschland mittlerweile gibt, wo ist da noch Platz für einen selbstständigen Menschen? Brauchen wir diese Regelungswut überhaupt? Und wissen Sie was? Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr muss ich zu meinem Bedauern sagen, scheinbar ja!

Denn Anstand, Respekt, Höflichkeit und ein Miteinander gibt es bei uns auf freiwilliger Basis nicht mehr so oft. Früher galt ein Handschlag oder ein Wort unter Männern (Frauen) und es war Ehrensache, dass man sich daran hielt. Ein Arbeitsvertrag, war ein Arbeitsvertrag und für Arbeit gab es Lohn. Aber heute?

Alles was nicht geregelt ist, wird versucht von irgendjemanden zu seinem Vorteil aus zu nutzen. Mitmenschen und Gemeinschaft sind dabei völlig egal. Und wenn Regeln aufgestellt sind, wird versucht diese auszulegen, zu umgehen oder zu ignorieren.
Steuern, paaah, die zahlen in Deutschland doch nur die kleinen Leute oder die „Dummen“. Verkehrsregeln, wozu? Als „Autorambo“ hat man doch immer Recht, oder? Und dann die geliebten Nachbarn, früher hielt man zusammen und unterstützte sich gegenseitig über den Gartenzaun hinweg. Heute? – Wehe der Gartenzaun steht einen Zentimeter an der falschen Stelle oder die Äste eines Baumes ragen gar ins eigene Grundstück, dann geht aber der Streit durch alle gerichtlichen Instanzen und leider auch manchmal unter vollem Körpereinsatz erst richtig los.

Doch dann wird wieder gerufen, wir brauchen weniger Regeln. Wer sind dabei die lautesten Rufer? Genau! Es sind  diejenigen, die eh die Regeln ständig umgehen. Die sind aber auch empört, wenn sie wegen Steuerhinterziehung auf einmal Strafen kriegen oder Ihren Führerschein abgeben müssen. Ehrlich, das ärgert mich tierisch. Ich brauche kein Gericht, das mir vorschreibt, dass ich einen Fahrradhelm tragen soll. Das mache ich aus Eigennutz und mir fallen da auch keine dummen Ausreden ein, a la der macht aber meine Frisur kaputt. Ich brauche auch sonst keine zigtausend Gesetze und Verordnungen, um zu wissen wie ich mich verhalten soll. Aber es gibt leider zu viele schwarze Schafe in unserem Land, denen nur mit Regelungen bei zu kommen ist, weil man dann dazu die entsprechenden Strafen abbilden kann. Leider ist auch das Durchsetzen der Strafen bei uns sehr inkonsequent. Wie heisst es doch so schön: “ Die Kleinen hängt man und die Großen, lässt man laufen.“ So funktioniert es in der Realität meistens, auch wenn es hin und wieder eine rühmliche Ausnahme gibt.

Mir wäre es am liebsten, wenn es uns allen gelingt unseren Anstand wieder zu regeln und somit ein viel entspannteres Miteinander herzustellen. Das wäre für uns alle viel einfacher. Gleichzeitig würde uns einiges erspart bleiben. Vorne weg diejenigen die zwar Regeln fordern, aber nur um diese am liebsten zu umgehen, zu brechen oder für sich selbst nicht gültig zu erklären. Dazu zählen für mich auch Politiker, die den Sinn Ihrer Handlungen ausschließlich darin sehen, uns zu reglementieren, obwohl sie selbst meist nicht wissen, wie das reale Leben aussieht. Deswegen rufe ich Euch zu: „Lasst uns den Anstand regeln!“, dann brauchen wir nicht mehr so viele Regeln.

 

Ihr Norman Muller

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